Tiahuanaco und Puma Punku

Teil 14: Eine neuer Interpretationsversuch des Reliefs auf dem Sonnentor in der Kalasasaya

ergänzt am 03.12.2013; zum Nachtrag gelangen Sie HIER

 
Abb. 01
 
 Abb. 02
 
Abb. 01: historische Aufnahme des (wieder zusammengesetzten) Sonnentores, welches in zwei Teile zerborsten war. Der Aymara innerhalb des Türrahmens vermag ein anschauliche Gefühl für die tatsächliche Größe des Sonnentores zu geben.

Abb. 02: Das gleiche einzigartige Monument, wie es sich uns präsentierte. Auffällig aus dieser Perspektive ist die zentrale Hauptgottheit, die auch die höchste Darstellung auf dem Relief verkörpert.

Schon viel ist über das Sonnentor, seine Signifikanz und dessen Botschaft geforscht, publiziert und spekuliert worden. Auch an mir als mehrfacher Besucher der Sonnenwarte "Kalasasaya"  ging das einzigartige, mit einem Basrelief versehene Bauwerk, nicht vorbei. Mittlerweile wird es mit einem provisorisch anmutenden Drahtverhau vor allzu neugierigen Besuchern geschützt (die Respektlosigkeit und der Zerstörungsdrang von Einheimischen wie Touristen kennt bis heute keine Grenzen) und thront auf einem in den Boden eingelassenen Betonfundament, auf daß das in zwei Teile zerbrochene, ca. 9 Tonnen schwere Kunstwerk nicht in sich zusammenbreche. Im ersten von vier Bänden schreibt Arthur Posnansky hierzu: "Das megalithische Bildwerk ... hat zweifelsohne lange Zeit mit seiner Front zu unterst am Erdboden gelegen, da diese Seite am wenigsten durch die Verwitterung gelitten hat, während die Rückseite gewaltige Spuren des Zerstörungswerkes der Zeit aufweist. Pedro Cieza de León, der mit einer für damalige Zeit sorgfältigen Genauigkeit die Ruinen von Tihuanaco beschrieb, muß dieses schon damals am Boden liegende Tor nicht beachtet haben, sonst hätte die Vollkommenheit, Eigenart und große Menge der Reliefs seine Aufmerksamkeit entschieden in hohem Maße auf sich gelenkt, und er hätte dann ohne Zweifel diesem Monument eine ausführliche Beschreibung in seiner Chronik Perus gewidmet1 Arthur Posnansky: "Eine praehistorische Metropole in Südamerika- Band I", Seite 119, Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Berlin, 1914. "

 
Abb. 03
 
 Abb. 04
 
Abb. 03: Die Hauptgottheit mit seinen zwei differenten "Maßstäben" (?). Ist das treppenförmige Podest unter seinen Beinchen lediglich Ornamentik, Zierrat oder wird sich hier auf ein reales Bauwerk bezogen, beispielsweise die Akapana- Pyramide?

Abb. 04: Persepolis, Iran: Reliefwand als Bestandteil des Apadana- Palastes. Man beachte die Formgebung der Zinnen, die stark an die Draufsicht der Akapana- Pyramide in Bolivien erinnert (siehe eingefügtes Bild der Akapana als Rekonstruktionsgraphik unten), ebenso an den Sockel in Abb. 03, inklusive der Vertiefung, die bei der Akapana tatsächlich existiert. Darüberhinaus läßt die auffällige Wortähnlichkeit aufhorchen: Apadana - Akapana. Nur ein Zufall?

Ursprünglich bestand es aus einem Andesitblock graugrüner Farbe, wobei das Rohstück noch um einiges mehr an Gewicht auf die Waage gebracht haben muß. Schließlich mußte das übrige Material abgetragen werden, damit die Figuren auf dem Relief hervortreten konnten. Das kann man besonders an der Hauptfigur im Zentrum des Tores erkennen, welche noch am meisten aus dem harten Andesit- Untergrund hervortritt.  Aufgrund der geringen Erosionsspuren an den Bruchstellen der beiden wieder zusammengefügten Teile muß wohl davon ausgegangen werden, daß wütende Horden der katholischen Piraten auf dem Altiplano Urheber dieser hirnlosen Zerstörungsorgie waren. Posnansky gibt kund: "Das Tor ist gegenwärtig in zwei Teile geborsten. Dieser Bruch rührt nicht von einem Blitzstrahl her, wie es das Volk und unwissende Reisende (oder bekloppte bzw. schlecht vorbereitete Reiseführer, Anm. v. D. Groben) annehmen, sondern sicherlich von den berüchtigten "Kommissionen", des Klerus, welche das Hochland nach allen Richtungen hin durchzogen mit dem alleinigen Zweck, alle Gegenstände, Inschriften und Skulpturen, die mit dem früheren Kult der Ureinwohner in irgendeiner Verbindung standen, zu zerstören und zu vernichten. Diese "Kommissionen", die also von dem religiösen, aber noch im tiefsten Obskurantismus tastenden, blinden Glaubenseifer der röm.-kath. Kirche in der ersten Zeit nach der Eroberung ausgesandt wurden, sollten zwar eigentlich bekehren, Eintracht und Nächstenliebe predigen; ihr Hauptstreben jedoch war, soviel Gold als möglich zusammenzuraffen2 Arthur Posnansky, ebenda, Seite 119/120 ."
Das von manchen auch als "Sternentor" oder "Dimensionstor" titulierte Steinportal befindet sich heute in der Nähe der Nordwestecke der Kalasasaya, eines großen, leicht recheckigen, von Megalithen beachtlichen Ausmaßes eingefaßten Areals und mit hoher Sicherheit kann angenommen werden, daß dies nicht der ursprüngliche Standort war, da er dort keinen Sinn ergibt. Die unvollständigen Reliefsegmente an beiden lassen des Tores den Schluß zu, daß es einst Bestandteil einer heute nicht mehr existierenden Mauer innerhalb der Kalasasaya war, und zwar wurde sein eigentlicher Bestimmungsort in der Westmauer des von Dr. Posnansky sogenannten "Santissimums"  vermutet, mittig integriert und daher auch neben seiner Funktion unter anderem als "Kalenderstein" als Zugang zum "Allerheiligsten" im Inneren der Kalasasaya dienend. Daß das Sonnentor (auch) als Kalendersymbol gedient haben muß, läßt sich leicht erkennen, wenn man das untenstehende Mäanderfries mit den darin integrierten 11 Köpfen ansieht und dabei die Westmauer der Kalasasaya mit einbezieht. Eine anschauliche Animation hierzu finden sie HIER.
 

Blickfang der in Stein festgehaltenen Szenerie ist zweifelsohne die Hauptfigur (siehe Abb. 03 und 05), mit Sicherheit eine Gottheit, von vielen Mehr- oder- Weniger- Experten als "Viracocha" gedeutet. Er hält zwei, meist erst auf den zweiten Blick leicht unterschiedlich ausgeprägte Stäbe in je einer Hand, in demonstrierender Position. Auf diese Stäbe möchte ich im Rahmen einer späteren Gesamtdeutung noch einmal näher kurz eingehen. Eingerahmt ist sein quadratisch wirkender Kopf von einer Strahlenkrone, die möglicherweise mit der strahlenden Sonne in Verbindung zu sehen ist (daher auch der Name "Sonnentor"). Sehen wir hier die Urform der königlichen/kaiserlichen Krone in Europa, die ja in brillierendem Edelmetalle, Silber oder Gold erstellt zu zur Steigerung ihres Glanzes noch mit Juwelen und Diamanten besetzt war, um den Glanz und die extreme Helligkeit der Sonne zu nachzuahmen? Meiner Meinung nach symbolisierte die Krone ebenfalls nichts anderes als die Verbindung zu unserem lebensspendenden Zentralgestirn - die Sonne- und wie oft bezeichneten sich die Herrscher, Könige oder Pharaonen, als stellvertretende Person ihrer Hauptgottheit -des Sonnengottes- ja, ganze Völker wie die Japanesen sehen sich als Söhne der Sonne, ebenso die Inka, oder denken wir gar an den "Sonnenkönig" Ludwig XIV. Nordamerikanische Indianer stellten eine ökonomischere Variante der Sonnenkrone her und verwendeten stattdessen Federn verschiedenster Ausprägung und Farbe, zur Symbolisierung der von dem, das Zentrum unseres Planetensystems bildenden, Glutball ausgehenden Strahlung. Wo findet sich der Ursprung dieser herrschaftlichen Kopfbedeckung? Etwa in Südamerika, auf dem Sonnentor? Ich habe Grund zu Überzeugung, mir diese Frage mit "Ja" zu beantworten. Also finden die späteren, gekrönten Staatsoberhäupter ihren Urahn auf dem Sonnentor...

Abb. 05: Kalenderinterpretation nach Arthur Posnansky. Gemäß dieser Theorie bilden das mäanderförmige Relief und die Hauptgottheit den Jahreslauf, ausgedrückt in Monaten, ab. Ich behaupte mal ganz provokant: könnte der Mäander nicht auch die von der Erde aus sichtbare Vor- und Rückläufigkeit des Planeten Mars symbolisieren? Mehr zur Fragestellung Mars- Tiahuanaco im Text zu Abb. 22.

Die Krone wurde zur kompletten Darstellung als Mischung von Frontal- und Draufsicht in die Vorderansicht projiziert und weist exakt 24 Strahlen auf. Dies läßt natürlich gleich wieder an den 24- stündigen Tag, also an einen kalendarisch- astronomischen Zweck, denken. Diese Strahlen sind aber nicht gleichförmig realisiert worden, sondern in drei Grundtypen, die mit dem Rahmen der Krone verbunden sind:

Ebenfalls fällt die für den Tiahuanaco- Stil typische Verzierung der Augen mittels einer vogel- pumaartigen Hybriddarstellung auf, die den Anschein erweckt, oder vielmehr erwecken soll, daß die Gottheit Tränen vergießt. Welcher Grund lag für Virachochas Tristesse wohl vor, da die Gesamtszene keine Hinweise hierfür liefert, oder soll damit versinnbildlicht werden, daß nur der Mensch auf diesem Planeten in der Lage ist, salzhaltige Tränen zu vergießen, eine Eigenschaft, die wir von den "Göttern" geerbt haben?
Sein Brustharnisch scheint von einer sich windenden Schlange (Kopf und Federschwanz zeigen nach oben, also zum Gesicht Viracochas hin) verziert zu sein, die auf einem Sockel oder vielleicht einem Altar zu ruhen scheint. Aufgrund des Körpermusters, wohl die regelmäßige Struktur des Schuppenpanzers andeutend,  tendiere ich zur Darstellung einer Schlange. Aber Moment mal: Schlange, Federschwanz? Wie groß ist da noch die Distanz zur "Gefiederten Schlange" aus dem mittelamerikanischen Kulturraume, die Hauptgottheit der Azteken ("Quetzalcoatl") und der Mayas ("Kukulkan")? Auch hier wieder die analog der Krone ursprüngliche Darstellung der wichtigsten Bestandteile später und sogar viel späterer Kulturen in anderen Teilen der Welt? Mir scheint es so.

Viracochas Beine sind auffallend kurz ausgeführt und stehen auf einen dreistufigen Sockel, der mich sofort an die benachbarte Akapana- Pyramide erinnert, da dieses Bauwerk ebenfalls als Stufenpyramide ausgeformt war. Die teilweise rekonstruierte Nordwand der Akapana soll dem Besucher einen Eindruck von der ursprünglichen Gestaltung des heutzutage nur noch spärlich vorhandenen, künstlichen Erd- und Geröllhügels, vermitteln. Bleibt zu hoffen, daß dieser Versuch dem Originale einigermaßen gerecht wird. Innerhalb dieses Sockels - meiner Meinung nach eine stilisierte Darstellung der Akapana wird es interessant: in einer nach oben hin offenen, massiven Umhüllung, was eine im Innern der Pyramide befindliche Kammer darstellen könnte, windet sich ein larvenartiges Tier mit zwei fühlerartigen Fortsetzungen am Maul, ebenfalls, wie die Federschlange, nach oben blickend. Die An den Wänden der von mir interpretierten Kammer schließen sich teils gerade, teils gewundene Ausläufer an, die entweder in Kondor- oder Pumaköpfen auslaufen. Eine Deutung ist sehr schwierig und ich kann nur, ohne wissenschaftlichen Anspruch, ebenso ohne Ansprch auf Richtigkeit, ausdrücken, welche Assoziationen in meinem Kopfe ausgelöst werden. Für mich sind zweierlei Deutungen möglich, die möglicherweise auch beabsichtigt waren. Warum sollte nur eine Interpretation korrekt sein und nicht mehrere gleichzeitig Anspruch auf Richtigkeit erheben? Das halte ich nicht nur für das Sonnentor gegeben, sondern auch für andere, wichtige Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh, um das Paradebeispiel beim Namen zu nennen. Zum Einen könnten vielleicht im Innern der Pyramide angelegte Gänge symbolisiert werden, die in die zentrale Kammer führen, obgleich diese nicht bis an die Außenwände zu reichen scheinen, eine Parallele zu den sogenannten "Luftschächten" der Großen Pyramide in Gizeh, auch irreführenderweise als "Cheops- Pyramide" tituliert. Im Jahre 2008 zum Beispiel fand die Öffnung und Begehung, oder besser Bekriechung eines engen, senkrecht von der oberen Pyramidenplattform ins innere des Bauwerkes führenden Schachtes statt, wobei eine Abdeckplatte und etwas Erdreich beiseite geschafft worden sind (siehe Bildserie weiter unten, Abb. 14 bis 20). Dieser Gang nahm in seinem weiteren Verlaufe eine waagrechte Lage ein und mündete dann schräg in der Nordwand, knapp oberhalb des heutigen Geländeniveaus, ins Freie. Ich konnte diese Öffnung sehen und filmen. Diese wurde vorher freigelegt. Und nun betrachten Sie sich bitte unvoreingenommen einen Pumakopf links oder rechts von der kammerartigen Darstellung mit seiner senkrechten Verbindung zum waagrechten Fortsatz des seitlich dargestellten Kondorkopfes. Die Schräge, den angewinkelten und tatsächlichen Verlauf des Schachtes symbolisierend, ist ebenfalls dargestellt. Ein weiteres Beispiel aus der Historie: Die "Cloaca Maxima", damals von Arthur Posnansky freigelegt, karthographiert und untersucht, dann zum Schutze vor weiter Zerstörung, ob nun mutwillig oder aus Desinteresse, wieder unter Erdreich begraben. Wurden diese stufenförmigen Ausprägungen, wie man diese am Beispiel der Cloaca Maxima sehen kann, schematisch auf dem Sonnentore dargestellt?

Haben wir hier den schematischen Querschnitt der Akapana auf dem Sonnentore abgebildet?

 
Abb. 06
 
 Abb. 07
 
Abb. 07: die von A. Posnansky freigelegte "Cloaca Maxima" an der Nordseite der Akapana- Pyramide. Gut zu erkennen ist der stufenförmige Verlauf. Der größtenteils aus hartem andesitischen Gestein bestehende Kanal weist eine Höhe von durchschnittlich 80 cm und eine Breite von 60 cm auf und begann seinen Lauf ca. 1 m unterhalb der obersten Plattform.

Abb. 07: Die "Cloaca Maxima" durchbricht die Südwand der Akapana- Pyramide.
 
 

Abb. 08: Ausguß der "Cloaca Maxima" in den die Akapana umgebenden Fortgraben, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Der Ausguß befindet sich heutzutage etwa 2,5 m unterhalb des Pampaniveaus. Interessant in diesem Zusammenhange: etwa 4 m unterhalb des heutigen Geländeoberkante wurde unterhalb der Seitenterrasse der Akapana ein fossilierter (natürlich ausgeformter!) Langschädel gefunden, zusammen mit ausgestorbenen Tieren, über deren Bestimmung der Autor bisher nichts weiß. Offenbar gab es eine Zeit, in welcher der Homo Sapiens, oder eine bestimmte Art desselben, Langschädel ausgeformt hatte mit entsprechendem Gehirnschmalz!

Auch eine andere Interpretation ging mir durch den Kopf, freilich reichlich phantasiebehaftet: die Larve im Innern der Plattform symbolisiert Leben oder Energie, und die von der zentralen Kammer ausgehenden in Kondor- und Pumaköpfe mündenden, parallelen Linien symbolisieren eine Art Strahlung, welche von der Kammer in alle Richtungen emittiert wird. Wurde hier etwas aufbewahrt, daß zum Schutze der Umgebung von einer Kammer umschlossen sein und zusätzlich noch durch ein stufenpyramidenartiges, massives Bauwerk geschützt werden mußte? Assoziationen an die Bundeslade des Alten Testaments werden wach, beziehungsweise erneut an die mögliche Funktion des gewichtigen Granitsarkophages in der "Königskammer" Cheopspyramide. Gemäß meiner und auch weiterer Forscher Vorstellungen schützte die aus exakt 100 Granitblöcken bestehende "Königskammer" etwas, das gefährliche Strahlungen aussandte und daher entsprechend abgeschirmt werden mußte. Da es sich bei diesem Etwas aber auch um eine überirdische, also göttliche Apparatur, gehandelt hat, wurde diese gleichzeitig verehrt und dieser daher ein entsprechendes Gebäude zuteil, das auf der Welt bis heute ihresgleichen sucht. Und dieses Gerät dürfte genau in den sogenannten Sarkophag gepaßt haben, in dem nie eine Pharaonenmumie gelegen hat. Es erreichte später die Mauern von Jerusalem und wurde im zweiten Salomonischen Tempel auf dem Tempelberg aufbewahrt... Auch Königs Salomons Verwahrstätte bestach durch Massivität; dieses seltsame Artefakt mußte geschützt als auch nach außen hin abgeschirmt werden, so meine Vorstellung. Und genau deswegen setzte der Pharao den Israelis nach, da er weniger an den aus Ägypten auswandernden Menschen, die er ja eh bloß mit Ausnahme von Moses aus seine Sklaven ansah, als viel mehr an dem interessiert war, was diese Brüder geraubt und mitgenommen hatten. Diese nicht näher definierte Kraftquelle, für die später, nach der Überquerung des Roten Meeres, die  Bundeslade zwecks besseren Transportes gebaut worden war.

Ist in Tiahuanaco etwas Ähnliches passiert und wurde dies auf dem Sonnentorrelief unter anderem symbolisch- abstrahiert dargestellt? Und die alles beherrschende Zweistabgottheit hätte damit sicher zu tun. Diese sehr individuelle Deutung hat natürlich nichts mit der posnansky´schen Kalenderinterpretaton zu tun, aber wie bereits vorher erwähnt: warum können nicht mehrere Botschaften in einem so außerordentlichen Kunstwerke wie dem Sonnentor verborgen sein? Warum nur Kalender, warum nur dies oder nur jenes? Ich gehe von einem vielschichtigerem Ansatz aus.
 

Über die verschiedenen Kalenderdeutungen des Basreliefs gibt es bereits zahlreiche Literatur und Internetartikel. Ich möchte auf diese hier nicht eingehen, sondern appelliere an den interessierten Leser, sich selbst auf die Suche zu machen.
Auffallend sind die rechts und links der Hauptfigur knieenden, geflügelten Wesen, die ebenfalls eine Krone tragen, offiziell "Geflügelte Genien" genannt, um bloß nicht das Wort "Engel" oder "engelähnlich" zu gebrauchen. Die knieende Stellage deutet wohl auf Unterwürfigkeit/Ehrerbietung der Hauptgottheit gegenüber hin bzw. auf eine Erwartungshaltung in Form von Befehlsempfängertum.
Vier Dinge fallen fallen in diesem Zusammenhange auf:

Abb. 09: Eine Detaildarstellung der in der Fachchinesischsprache bezeichneten "Geflügelten Genien", jeweils in drei Reihen zu beiden Seiten der Hauptgottheit knieend angeordnet und mit einer Krone auf dem Haupte sowie verschieden ausgeprägten Stäben, lediglich ein Hoheitszeichen oder steckt ein ganz anderer Symbolismus dahinter? Eine Entsprechung der aus der Bibel bekannten "Erzengel"?

 
Abb. 10
 
 Abb. 11
 
Abb. 10: ein "Geflügelter Genius", hier die babylonische Gottheit Marduk, irgendwelche Tätigkeiten am "Lebensbaum" ausführend. Gemeinsamkeiten zu der entsprechenden Figur auf dem Sonnentorrelief in Abb. 09: Krone, Flügel und sogar die gleiche, knieende Position!

Abb. 11: selbst die Vogelkopfvariante des "Geflügelten Genius" gibt es, genau wie auf dem Sonnentor dargestellt, allerdings hier in stehender Position, jedoch mit der gleichen Armstellage wie in Abb. 10 zu sehen. Das paßt wiederum perfekt zum Sonnentor. Jedoch hantieren die übermenschlichen Wesen nicht mit Stäben, sondern fummeln am "Lebensbaum" herum.

Interessant und in zeitgenössischer Flach- Literatur oftmals nicht erwähnt ist die Tatsache, daß die äußeren drei senkrechten Reihen der Geflügelten Genien zu beiden Außenseiten des Tores in deutlich abgeschwächter Form hervortreten und die Akkuratesse der übrigen Kollegen vermissen lassen (siehe Abb. 12, 13 und 13a). Zu dieser optischen Auffälligkeit weiß Posnansky jedoch noch Weiteres dem Leser mitzuteilen:
"Speziell die Ornamente der Vorderfront des Tores zeigen die auffallenden Merkmale eines nicht beendigten Werkes. Beim ersten Blick glaubt man zu erkennen, daß nur an die Mittelpartie der ideographischen Ornamentik samt den beiderseits bis zur fünften Reihe gravierten Figuren einschließlich des dazu gehörigen Frieses der Meister die letzte Hand gelegt habe. Sieht man jedoch näher hin, so bemerkt man, daß dies auch bei den eben besprochenen Teilen nicht der Fall ist3Arthur Posnansky, ebenda, Seite 112/113 ..."

Einmal mehr offenbart sich uns das Phänomen der Unvollendung, wie wir diese schon so oft auf unseren Reisen in verschiedenen Erdteilen auf archäologischem Gelände feststellen konnten. Nun stärkt uns ein weiteres Mal ein Forscher aus der Vergangenheit den Rücken. Ich bin überzeugt, daß der Abbruch der Arbeiten, der um den gesamten Erdball zu verzeichnen ist und sich ausschließlich auf massive Bauten mit perfekt bearbeiteten Riesensteinen bezieht, auf die gleiche katastrophische Ursache zurückzuführen ist, was wiederum heißt, daß die global anzutreffenden, unvollendeten Konstruktionen in der selben Epoche erstellt worden sind. Welche Kultur kommt dafür in Frage bzw. welche Kulturen, die auf gleicher Entwicklungsstufe und untereinander sicherlich in Verbindung standen?

 
Abb. 12
 
 Abb. 13
 
Abb. 12: Konturnachzeichnungen von vier übereinandergelegten Flügelwesen aus der besser ausgearbeiteten, jedoch nicht gänzlich vollendeten Mittelpartie des Frieses (links). Die Deckungsgleichheit ist sehr hoch, obgleich man erkennen kann, daß jede Figur eine nach der anderen ausgemeißelt worden ist und kein Produkt identischer Massenproduktion in Form von intelligenter Maschinentechnik darstellt. In der rechten Bildhälfte ist deutlich wahrzunehmen, daß die äußeren Figuren (ebenfalls vier Figuren übereinandergelegt) zu beiden Seiten des Tores noch im Rohzustand verblieben sind und die Steinmetzarbeiten keinen Abschluß fanden. Was hat die aprupte Bauunterbrechung hervorgerufen? Warum wurden die Arbeiten niemals fertiggestellt?

Abb. 13: Photographisches Beispiel eines der nicht vollendeten "Geflügelten Genius".

Abb. 13a: Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel der Unvollendung an einem Andesit- Standbild (links), aufgenommen im Freilichtmuseum in La Paz, welches dem Halbunterirdischem Tempel in Tiahuanaco - östlich von der Kalasasaya- Sonnenwarte - nachempfunden und heutzutage das Zentrum eines Verkehrsrondells ist. In seinem derartigen Zustande verharrend gemahnt diese Skulptur fast an einen Roboter.
"Etwas Tragisches und Unerwartetes hatte den Bildhauer gezwungen, seinen Meißel in dem Moment, als er sich anschickte, seinem Werke die letzten Schläge zu verpassen, für immer fallen zu lassen" (Arthur Posnansky). 
Rechts ein Vergleich mit einem "Atlas von Tula", Mexico, auf einer Tempelplattform stehend und einst wohl als Säule für ein Dach dienend. Es braucht nicht viel Phantasie, um eine stilistische Ähnlichkeit festzustellen, besonders den Kopfputz betreffend. Wurden hier die gleichen Wesen in Stein verewigt? Stammten die Vorbilder für die Tula- Giganten einst aus Tiahuanaco und wen stellen sie dar?

 

Ich hatte mich in früheren Artikeln wiederholt mit Zahlen oder Maßsystemen sowie immer wieder auf verschiedenen Erdteilen auftauchenden Zahlenproportionen auf archäologischem Gelände beschäftigt, und auch die Sonnenwarte Kalasasaya in Tiahuanaco ist von mir unter diesem Aspekt vor einigen Jahren bereits untersucht worden (siehe Tiahuanaco Teil 8).
Meine Vorstellung: es handelt sich hier um eine für die moderne Menschheit besonders wichtige und diese charakterisierende Situation, in welcher die oberste Gottheit ihren ihr untergebenen Untergöttern oder Königen etwas übergibt, welches in Form ähnlicher, jedoch verschiedener Stäbe zu Ausdruck kommt: Die Übergabe der Urmaßsysteme an die Repräsentanten der Menschheit als göttliches Geschenk und als Kristallisationskeim einer bisher nie dagewesenen kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung der Gattung "Homo Sapiens" auf verschiedensten Kontinenten des Globus. Und nach zumindest einem dieser repräsentierten Urmaßsysteme wurden auch Tiahuanaco und Puma Punku erbaut, die Pyramiden von Gizeh, Teotihuacan, Persepolis und viele weitere Zentren hochkultureller Tätigkeiten. Vielleicht werden hier der Urzoll, die Elle, der Meter, welche über Verknüpfungen von Naturkonstanten miteinander in eindeutiger Beziehung stehen und umrechenbar sind, auf diesem Fries in Szene gesetzt, in dem Sinne, wie es der Privatforscher Axel Klitzke in seinen Arbeiten umfassend und nachvollziehbar erklärt, so daß ich an dieser Stelle nicht alles wieder neu aufrollen muß. Gemäß der Legenden war Tiahuanaco der Ort, an dem die (heutige) Menschheit wieder erschaffen worden sein soll. Wurde den 48 geflügelten Repräsentanten, welche möglicherweise die von Viracocha als Gebieter über die Menschheit auserkoren worden und je ein bestimmtes  Gebiet auf dem Globus zu kolonisieren und zu kultivieren beauftragt worden sind, die für sie gültigen Maßsysteme hier überantwortet? Welche Maßsysteme kommen hier in Frage, etwa das mittelamerikanische Hunab (=1,0593... cm), wie ich es bereits im 8. Tiahuanaco- Teil vorgeschlagen hatte, das Meter und der (Ur-)Zoll? Hätte es das Sonnentor nicht verdient, in dieser Hinsicht näher untersucht zu werden?
 

Die folgende Photoserie gibt eine Gangbegehung- oder besser Gangbekriechung der Akapana- Pyramide der italienischen Akakor- Gruppe im Jahre 2008 wieder. Anhand der eingeblendeten, nachgezeichneten Reliefausschnitte auf dem Sonnentor möchte ich darlegen, daß das treppenstufige Podest, auf dem die Hauptgottheit steht, mit einer für mich hohen Wahrscheinlichkeit einen Querschnitt der Akapana- Pyramide wiedergeben könnte. Ich habe mir einen abstrahiert dargestellten Gang herausgesucht und diesen blaßgelb gekennzeichnet. Der rote Pfeil soll in etwa die Situation bzw. die Verortung auf dem Photo wiedergeben.

 
Abb. 14 Abb. 15

Abb. 14: auf einer freigelegten Plattformebene auf der Akapana steigt ein Teammitglied in den senkrechten Schacht. Rechts ist die weggeklappte Steinplatte zu erkennen, welche den Schacht abgedeckt hat. Der Schacht reichte offenbar nicht bis an die Oberfläche. So illustriert es auch das Schema auf dem Sonnentor: das senkrechte Schachtstück läuft in einen Pumakopf aus, der unterhalb der Stufenkonstruktion endet.
Abb. 15: Blick nach unten in den senkrechten Teil des Schachtsystems. Man beachte die Perfektion des Mauerwerks und die glatten Oberflächen, die  in ihrer Ausführung an Ägypten erinnern. Im rechten Bildbereich ist gerademal eine haardünne Fuge zu erkennen.
 
 
Abb. 16 Abb. 17

Abb. 16: Impression des Schachtüberganges von senkrecht zu waagrecht. In diesem Bereich zeigt sich der Gang in einem erstaunlich gutem Zustand.

Abb. 17: nicht so im waagrechten Teil. Fortwährender Wassereinbruch führte zu Stalaktitenbildung an der Decke. Aus dem Gesicht des Akakor- Mitgliedes kann man die Anstrengung und die gleichzeitige Neugier gut ablesen.
 

 
Abb. 18
 
 Abb. 19
 
Abb. 18: Tageslichteinbruch in den letzten waagrechten Teil des Gangsystems, der in diesem Sektor fast bis oben hin mit Schlamm aufgefüllt ist. Man beachte, daß die Decke und die linke Wand eine wesentlich rohere Oberflächenbearbeitung aufweisen als als die rechte Seite oder wie in den Abb. 15 - 17 zu sehen.

Abb. 19: dieser seltene Schnappschuß zeigt doch tatsächlich eine oxydierte Kupferklammer bzw. einer Klammer, in deren Legierung eben Kupfer enthalten ist. Wann wurde diese in das Mauerwerk eingesetzt?

 

 

Abb. 20: Freilegungsarbeiten an der Nordseite der Akapana- Pyramide. Auch der Ausgang des Kanales reicht nicht  bis an die Außenmauer heran, genauso wird es auch auf dem Relief dargestellt, siehe Grafik rechts unten inklusive Pfeilmarkierung. Wie schäbig wirkt sich im Vergleich zu der massiven Steinkonstruktion die Aufmauerung mittels luftgetrockneten Lehmziegeln aus! Haben wir es hier mit zwei verschiedenen Kulturepochen zu tun?

Abb. 20  
   

 

Abb. 21
 
 Abb. 22
 
Abb. 21: auch wenn es jetzt spekulativ wird, möchte ich meine Gedanken dennoch mit Ihnen teilen. Beim Betrachten des Gesichtes der Hauptgottheit auf dem Sonnentor schlich sich mir immer wieder die seltsame Felsstruktur auf dem Nachbarplaneten Mars in den Sinn, das auch als "Marsgesicht" bekannt ist und sich in der nördlichen Hemisphäre des roten Planeten, in der Cydonia- Region, befindet. Das Bild wurde 1976 von der im Orbit kreisenden Sonde "Viking I" aufgenommen, publiziert wurde es Anfang der 1980´er Jahre (nicht durch die NASA) und bis heute reißen die Diskussionen ob seines natürlichen oder womöglich künstlichen Ursprungs nicht ab. Stellt diese Struktur tatsächlich ein Gesicht dar, das eines Menschen oder das einer Gottheit? Interessant auch die in relativer Nähe des Marsgesichtes befindlichen Strukturen, die von einigen Forschen, wie z.B. Richard C. Hoagland, als Pyramiden, Pyramidenstümpfe, Tholus usw. interpretiert worden sind und angeblich den geometrischen Schlüssel zu einer neuen, "Tetraedalen Physik" beinhalten.

Abb. 22: Hier der Vergleich zwischen Marsgesicht und Sonnentorgesicht (ohne Kopfputz): auf Abb. 21 läßt sich -bei aller Unschärfe, die natürlich einen Interpretationsspielraum zuläßt, eine Haarlinie in Form eine Pagenschnittes ausmachen. Auf dem Sonnentorgesicht habe ich den entsprechenden Sektor farblich hervorgehoben. Ich werde das Gefühl nicht los, daß sowohl die umstrittene Formation auf dem Mars als auch die Darstellung in Tiahuanaco irgend etwas miteinander zu tun haben. Nebenbei: der Dienstag ist der "Marstag" auf Französisch, Italiensich und Spanisch: (franz.) mardi = mar-di, (ital) martedi = marte-di und (span.) martes = mar- tes, aber wieso heißt der Marstag auf Englisch "tuesday", gesprochen "tiusday"?
Müßte dann nicht die Silbe "tues"  für Mars stehen? Jetzt möchte ich wieder auf Tiwanaku bzw. auf Tiahuanaco zu sprechen kommen, gesprochen "Tiu-anako bzw. "Tiaua-naco" und dies mit der Silbe "tues" der englischen Variante vergleichen. Versteckt sich in diesem andinen Ortsnamen der Mars? Könnte dies meine Idee untermauern, daß das Marsgesicht und das Sonnentorgesicht nicht zufällig eine Ähnlichkeit aufweisen? Und noch etwas: der Boden im Tal, in welchem sich Tiahuanaco befindet, ist durchwegs rot. Eine weitere Affinität zu Roten Planeten? Natürlich weiß niemand mehr, wie Tiahuanaco ursprünglich hieß, doch ich glaube aufgrund meines gewagten interplanetarischen Vergleiches, daß der heutige Name ziemlich genau dem ursprünglichen entsprochen haben muß.

 

Nachdem ich gestern zu fortgeschrittener Nachtstunde den aktualisierten Bericht guten Gewissens hochgeladen hatte, gewahrte ich bereits am nächsten Morgen eine Nachricht von Marco Alhelm in meinem elektronischen Postfach. In seiner Mitteilung fand ich Erstaunliches, und zwar im Zusammenhange zu meinen oben angestellten Überlegungen zum Thema Tiahuanaco - Mars, was unterstreicht, daß ich mich offenbar in die richtige Richtung bewege, aus wenn diese höchst unkonventionell erscheinen mag, da wir nun in interplanetarische Gefilde vordringen. Ich zitiere: "Ferner leitet sich das englische TUES vom nordischen Gott TIW (man denke dabei an TIW-ANAKU, Anmerkung von D. Groben) oder besser bekannt als TYR her, der später mit dem römischen Gott MARS gleichgesetzt wurde. Das wurde dann ins Lateinische mit MARTIS übersetzt und dann zum Tag DIES Martis -> DIENSTAG bei uns, im Englischen ist es näher am ursprünglichen TUY -> TUESDAY."

Weiter verwies mich Marco auf einen sehr interessanten Link des Online Ethymology Dictionary, in welchem zur Wortbedeutung TUESDAY folgendes vermerkt ist (Hervorhebungen durch mich):

"O.E. Tiwesdæg, from Tiwes, genitive of Tiw "Tiu," from P.Gmc. *Tiwaz "god of the sky," differentiated specifically as Tiu, ancient Germanic god of war, from PIE root *dyeu- "to shine" (see diurnal). Cf. O.N. tysdagr, Swedish tisdag, O.H.G. ziestag.

The day name (second element dæg, see
day) is a translation of L. dies Martis (cf. Italian martedi, French Mardi) "Day of Mars," from the Roman god of war, who was identified with Germanic Tiw (though etymologically Tiw is related to Zeus), itself a loan-translation of Greek Areos hemera. In cognate German Dienstag and Dutch Dinsdag, the first element would appear to be Germanic ding, þing "public assembly," but it is now thought to be from Thinxus, one of the names of the war-god in Latin inscriptions.

Dies möge der Leser (und vielleicht auch die Hobby- und Berufsnegierer, die sich euphemistisch "Skeptiker" nennen) erst einmal auf sich wirken lassen, bevor es im Schweinsgalopp weiter geht.

Mein Forscherkollege fährt fort: "Und jetzt kommt es: Sanskrit: the name of the day is taken from Angaraka (man vergleiche mit AKAPANA!) ('one who is red in colour4 Turner, Sir Ralph Lilley (1962). "aṅgāraka 126". A comparative dictionary of the Indo-Aryan languages. London: Oxford University Press. Digital Dictionaries of South Asia, University of Chicago. p. 7. Retrieved 21 February 2010. "126 aṅgāraka 1. Pali 'red like charcoal'; Sanskrit aṅārī. 2. Pali aṅgāraka masculine 'Mars'; Sanskrit aṅāro masculine 'Tuesday'. ') a style (manner of address) for Mangal, the god  for Mars, the red planet."

Einmal tief durchgeatmet und weiter geht´s.

Nehmen wir einmal an, die stark beschädigten oder auch zerfallenen Strukturen zeigen einstige Tätigkeiten einer bis dato unbekannten Zivilisation auf dem roten Planeten an. Dann haben wir es mit zwei Hauptkennzeichen auf diesem Areal zu tun, nämlich:

1. Ein großes, charakteristisches Gesicht

2. Pyramidale Strukturen

Und wo finden wir das noch? Auf Erden, und zwar einmal in Tiahuanaco.

Abb. 23: Dieses Schaubild zeigt das Grundschema von Tiahauanco (Puma Punku befindet sich südwestlich davon und ist nicht auf dem Bilde zu sehen). Die mit "K" gekennzeichnete, rechteckige Struktur ist die Sonnenwarte Kalasasaya und am geologischen Nordpol ausgerichtet. Der Pfeilspitze zeigt auf die (heutige) Position des Sonnentores mit dem markantem Gesichte der zentralen Figur, die wohl nur eine Gottheit darstellen kann.
Der mit dem Buchstaben "A" versehene, abgestufte künstliche Berg zeigt die Akapana- Pyramide. Hier finden sich ebenfalls die beiden vorab beschriebenen Hauptmerkmale künstlicher zu zugleich charakterisierender Geländemerkmale.

 

Abb. 24: und ein weiteres Mal werden wir in Ägypten fündig. Die Dreiheit der Pyramiden - Cheops, Chephren (hier im Bilde) und Mykerinos nebst der sechs kleinen Satellitenpyramiden und das große Gesicht des Sphinx mit Blick Richtung Osten. Das Relief auf dem Sonnentor in Tiahuanaco ist ebenfalls Richtung Osten, mit Blickrichtung auf die aufgehende Sonne an der Frühlings- und Herbst- Tag- und Nachtgleiche ausgerichtet, was wohl kaum ein Zufall sein dürfte. Ich glaube, daß anhand der schon öfters nachgewiesenen Unähnlichkeit dieses Gesichtes mit dem des Chephren (eine Andesitstatue dieses Pharaos ist im Museum zu Kairo zu bewundern) dieser Herrscher auch nicht dargestellt sein kann. Viel eher glaube ich an die Symbolisierung einer Gottheit, und zwar jener, welche mit der Planung und Ausführung dieser gigantischen Anlage betraut war: Horus, Sohn des Osiris und der Isis!
Das eingeblendete Bild rechts zeigt einen Rekonstruktionsversuch des Sphinxhauptes. Das gestreifte Geschirrtuch stellte wohl einst eine Krone dar, zumindest einen Kopfputz, der Könige und Herrscher ausgezeichnet haben soll, vielleicht auch Götter. Ich vermute mal, daß die goldenen Streifen abstrahierte Sonnenstrahlen darstellen sollen, was auch der Ausrichtung nach Osten gut entspräche, wenn das rätselhafte Zwitterwesen während der Äquinoktien direkt in die aufgehende Sonne blickt, genau wie beim Sonnentor. Insgesamt habe ich 36 = 3x12 Sonnenstrahlen gezählt. Ist es Zufall, daß die Strahlenkrone der Hauptfigur auf dem Sonnentore 24 = 2x12 Sonnenstrahlen aufweist? An der Stelle der Uräus- Schlange auf dem Haupte des Sphinx sehen wir beim Pendant in Tiahuanaco den gefiederten Puma. Die Strahlenkrone weist dieses Symbol nur einmal auf, so, wie der Sphinx- Kopfputz die Uräus- Schlange nur einmal aufweist. Natürlich kann man darüber streiten, inwiefern die Graphik rechts im Bilde der Wahrheit entspricht oder mehr der Wunsch Vater des Gedankens war, jedoch beziehe ich mich einfach mal auf das, was ich sehe und ziehe meine Schlußfolgerungen daraus. Und noch ein interessantes Detail, daß ich jedoch mit aller gebotenen Vorsicht weitergeben möchte: gemäß einer grenzwissenschaftlichen (vielleicht auch grenzwertigen) Dokumentation über das Gizeh- Plateau, die ich einmal als DVD besaß - ich glaube, es wurde über den Jupiter- Verlag oder Jupiter Film vertrieben- wird Gizeh als "Mars" oder "Marsstadt" übersetzt - so soll es während der Sasanidenzeit benannt worden sein- oder vielleicht besser interpretiert. Falls daran etwas dran ist, wäre dies der Deckel auf dem Topfe zu meinen Gedanken Tiahuanaco betreffend, siehe Text zu den
Bildern 21 und 22.

 

Abb. 25: Und wie verhält es sich in diesem Falle auf unserm Nachbarplaneten, den Mars? Hier sind ebenfalls die Charakteristika künstlicher Strukturen auszumachen, vorausgesetzt, daß es sich tatsächlich um artifizielle Errichtungen handelt. Es läßt sich erkennen:

das "Marsgesicht", mit "1" gekennzeichnet

pyramidale Strukturen, teilweise offensichtlich eingestürzt oder nicht vollendet, mit "2" gekennzeichnet, oder gar eine augenscheinlich fünfseitige Pyramide (?), mit "3" markiert. Wenn auf dem Sonnentor eine Gottheit dargestellt wurde und in Ägypten gemäß meiner Überzeugung durch den Sphinx ebenfalls, wen stellte dann das Marsgesicht dar? Ebenfalls eine Gottheit, womöglich sogar die selbe? Auf Erden wurde diese vermeintliche Gottheit mit Strahlenkränzen dargestellt, auf dem Mars fehlt dieses Attribut jedoch. Es stellt sich hiermit die Frage: was oder wen symbolisieren die Bauformen Gesicht und Pyramide? Steckt dahinter eine zusätzliche Information wie zum Beispiel das Markenzeichen einer bestimmten Gottheit?

 


 

Ich möchte abschließend noch einmal Ihre Aufmerksamkeit auf die mäanderförmige Ausarbeitung des unter der Hauptfigur befindlichen Reliefteils lenken. Ich habe mich immer gefragt, was dieses Zickzackband genau darstellen mochte, lediglich "typischer Tiahuanaco- Stil", oder sollte damit vielleicht eine Periodizität oder Zyklizität dargestellt werden? Und wenn ja, um welches wiederkehrendes Auf und Ab könnte es sich dabei handeln? Mit dem irdischen Kalender kann ich es, abgesehen von den in den Mäander integrierten Gesichtern, welche die Monate des Jahres symbolisieren sollen, nicht in Deckung bringen. Zur besseren Verdeutlichung zeige ich den besagten Ausschnitt.

Abb. 26: Mir kam folgende Überlegung in den Sinn, die durch die Publikationen des Linguisten Kurt Schildmann hinsichtlich seiner planetarischen Numerologie befeuert wurde: könnte es in Hinblick auf meine Assoziation Tianuanaco - Mars nicht sein, daß wir hier die typischen, von der Erde aus gesehenen, durch die zeitweilige Rückläufigkeit des roten Planeten ans Firmament projizierten Himmelsschlaufen versinnbildlicht sehen? Ich möchte mich dabei auf den multidisziplinären Interpretationsansatz des Sonnentores beziehen, in diesem Falle auf den irdischen Kalender als auch auf den Nachbarplaneten Mars, um diese interplanetarische Verbindung anzuzeigen, das die Erbauer möglicherweise beabsichtigt hatten: das eine greift ins andere.

Die scheinbare Rückläufigkeit des Mars wird durch die unterschiedlichen Umlaufzeiten verursacht zwischen diesem und der Erde verursacht, wobei Mars 687 (Erden-)Tage für eine Umrundung um die Sonne benötigt und die Erde bekanntermaßen 365,25 Tage. Überholt die Erde nun den Mars, offenbart sich folgendes Schauspiel am Firmament:

Abb. 27: Mars (Tiw, Tiu, Tiwaz, "god of the sky") führt scheinbar eine Schleife aus, die als Rückläufigkeit bezeichnet wird. Alle äußeren Planeten, also jene außerhalb der Erde, führen diesen Tanz auf, der auch schon (ich meine eher: mindestens) in der Antike bekannt war, wobei Mars aufgrund der im Vergleich zu den übrigen äußeren Planeten größten Nähe zur Umlaufzeit der Erde das Überholmanöver unseres blauen Planeten am seltensten zuläßt, nämlich durchschnittlich alle 26 Monate mit einer Schleifendauer zwischen 60 und 80 Tagen. Wenn Sie sich Numerierungen in Abb. 26 und 27 ansehen, wissen Sie sicher, auf was ich hinaus will: die Ziffern 1 und 2 deuten die absteigende Fahrt des Planeten an, 3 und 4 den aufsteigenden Pfad, bis der Zyklus abgeschlossen ist und der Gang auf der Ekliptik fortgesetzt wird. Somit hätten wir also mit dem Namen des Ortes, des Gesichtes auf dem Sonnentor und der -zugegeben recht eigenwilligen Auslegung des Mäanders drei- Indizien, die auf Mars hindeuten.
Insgesamt werden fünf Zyklen auf dem Sonnentor dargestellt, wobei alle 26 Monate eine solche Himmelsschlaufe virtuell ans Firmament gezeichnet wird. Damit  ergäben sich also 130 Monate bzw. 10,8333... Jahre (die Zahlenfolge 1-0-8 ist uns bereits begegnet, und zwar als Proportion der gemittelten Länge und Breite der Kalasasaya, in welcher das Sonnentor steht: 1,087524301..., siehe "Tiahuanaco 8" auf dieser Homepage) plus der Periodendauer einer Schlaufe von durchschnittlich 70 Tagen, also insgesamt 350 Tagen, was 0,9582 Jahren entspricht.  Zusammen ergeben sich also 11,791 Jahre = 4.306,663 Tage. Sagt uns das irgendwas? Mir nur bedingt, da ich bei den Ziffern vor dem Komma, der 11, an den Sonnenfleckenzyklus denken mußte, wobei dieser mit gemittelt 11,04 Jahren (heutzutage) zu weit von 11,791 Jahren entfernt liegt, aber war das zu Zeiten der Anfertigung des Sonnentores ebenso der Fall? Wie ich erfahren habe, betrug die durchschnittliche Zyklendauer im 20. Jahrhundert 10,2 Jahre und war somit kürzer als die vergangenen Jahrhunderte, seitdem eben mit der systematischen Aufzeichnung der Fleckenaktivität begonnen worden ist. Gut passen würde die Einbeziehung der Sonne allemal, da wir hier vom "Sonnentor" reden, auch wenn diese Bezeichnung moderner Provenienz ist, jedoch durchaus seine Berechtigung hat, siehe Hauptfigur und Ausrichtung des Tores nach Osten. Somit hätten wir Erde, Mars und Sonne auf einem Bauwerk miteinander verknüpft.

Um die Scheiße abzurunden, möchte ich noch auf eine weitere Sonderbarkeit eingehen, die ich Marco, dem Aufmerksamen, zu verdanken habe. Wem Edmund Kiss ein Begriff ist - er schrieb im Jahre 1937 den Klassiker "Das Sonnentor von Tiuanaku" -  der weiß, daß dieser eigenbrötlerische Forscher im zweiten Teil seines Werkes auf Basis der durch Hanns Hörbiger erarbeiteten Theorie der Glazialkosmogonie oder Welteislehre eine Jahresinterpretation des Reliefs auf dem Sonnentor vornahm und zu folgendem Ergebnis kam: das Jahr hatte vor undenklichen Zeiten, als das Sonnentor geschaffen worden sein soll, lediglich 298 Tage bei gleichem Orbit um die Erde. Wie das? Aufgrund eines Vor- Mondes oder "Käno- Mondes", welcher von der Erde eingefangen worden sein und sich nach und nach spiralförmig an die Erde herangeschraubt haben soll, und dies aufgrund eines "Weltraumwiderstandes" im eben nicht leeren Weltraumvakuum, welcher aufgrund geringster, jedoch dauerhafter Reibung am Himmelskörper diesen abbremste, daher näher an die Erde heranbrachte und im Bereiche des Erdgleichers wulstartige, gegenüberliegende Erhebungen aus Meerwasser ausformte und infolgedessen die Erdrotation abbremste, solange dieser die Erde aufgrund des stetig enger werdenden Orbits nicht "überholte". Aber nicht nur die Wasser, sondern auch die Luftmassen sollen durch diesen Käno- Mond in Richtung Äquator abgezogen worden sein, was in den nördlicheren und südlicheren Gefilden zur Ausdünnung der Atmosphäre führte und damit der Abkühlung und damit einhergehenden Vereisung ("Eiszeit") Vorschub leistete.
Nun, man mag von dieser skurill anmutenden Deutung halten, was man will, jedoch möchte ich mich auf die Interpretation des 298- Tage- Jahres konzentrieren, wobei ein Tag dann 29,4 Stunden statt der heute üblichen 24 Stunden gedauert hätte. Fakt ist, daß die 365 Tage nicht aus dem Sonnentorrelief ohne trickreiche Kunststücke oder gar überhaupt nicht herausgelesen werden können, was auch schon Arthur Posansky große Probleme bereitet hatte. Nehmen wir einmal an, daß die Errechnung der 298 Tage richtig seien. Dann stellt sich jedoch aufgrund der Web- Informationen, welche Marco mir schickte, folgende Frage:

Wer sagt, daß sich die 298 Kalendertage auf dem Sonnentor auf den Planeten Erde beziehen?

Abb. 28: Der womöglich lebenbeherrbergende Exoplanet Keppler 22b (Pfeil) in einem fernen Sonnensystem.

Wie das? In einem Spiegel- Online- Bericht5 http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/erdzwilling-entdeckt-nasa-forscher-feiern-den-weihnachtsplaneten-a-801977.html mit der Überschrift "Erdzwilling endeckt: NASA- Forscher feiern den Weihnachts- Planeten" wurde von einem erdähnlichen Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems berichtet, der in der habitalen Zone seine Bahn um ein fremdes Zentralgestirn zieht. Er ist dem Artikel zufolge etwa 2,4 mal so groß wie unser Heimatplanet und auf ihm sollen angenehme 22 °C herrschen. Seine Umlaufzeit wird mit ca. 290 Tagen angegeben, was dem obigen Wert von 298 Tagen verdächtig nahe kommt. Dieser Planet hört auf den unglamurösen Namen "Kepler 22b", befindet sich in einem Gebiet zwischen den nördlichen Sternbildern Schwan und Leier und ist ca. 600 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn wir die extraterrestrische These von Göttern aus dem All bemühen, die einst auf die Erde kamen und nachhaltig in die Evolution (so es denn eine solche gibt) bis hin zur künstlichen Schaffung des modernen Menschen eingriffen: wurden diese außerirdischen Besucher auf dem Sonnentor dargestellt? Kamen diese von einem Planeten, dessen Orbit nur 290 Tage betrifft? Wurde diese Botschaft auf dem Sonnentor verewigt? Hinterließen diese Wesen auch Ihre Spuren auf dem Planeten Mars und womöglicherweise auch auf weiteren Planeten/Monden unseres Sonnensystems?

Hierbei, liebe Leser, möchte ich es erst einmal bewenden lassen. Ich hoffe, daß ich einige interessante Anregungen geben konnte.

 


 

 

Anmerkungen zu den eingeblendeten Texttafeln (gelb hinterlegte Wörter):

1 Arthur Posnansky: "Eine praehistorische Metropole in Südamerika- Band I", Seite 119, Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Berlin, 1914

2 Arthur Posnansky: ebenda, Seite 119/120

3 Arthur Posnansy: ebenda, Seite 112/113

4 Turner, Sir Ralph Lilley (1962). "aṅgāraka 126". A comparative dictionary of the Indo-Aryan languages. London: Oxford University Press. Digital Dictionaries of South Asia, University of Chicago. p. 7. Retrieved 21 February 2010. "126 aṅgāraka 1. Pali 'red like charcoal'; Sanskrit aṅārī. 2. Pali aṅgāraka masculine 'Mars'; Sanskrit aṅāro masculine 'Tuesday'. '

5 http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/erdzwilling-entdeckt-nasa-forscher-feiern-den-weihnachtsplaneten-a-801977.html

 

Literaturnachweis

 

Arthur Posnansky

"Eine praehistorische Metropole in Südamerika- Band I",
Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Berlin, 1914

  
Jorge Emilio Molina Rivero"La Matemática Calendaria de la Puerta del Sol de Tiwanacu", La Paz - Bolivia, 2000
  
Edmund Kiss"Das Sonnentor von Tiwanacu und Hörbigers Welteislehre",
Köhler & Amelang, Leipzig 1937
  
Luis Fernando Pacheco Medrano"Thäipykkhala - Tiempos Mágicos", ISBN 978-99954-2-094-9

 

Bildnachweis

Abb. 01: Homepage von Jim Allen: www.atlantisbolivia.org

Abb. 02  und 04: Marco Alhelm

Abb. 06, 07, 08, 13: Arthur Posnansky, siehe Literaturnachweis

Abb. 03, 05, 09, 22, 23, 26: Edmund Kiss, siehe Literaturnachweis

Abb. 10, 11: irgendwo aus dem Internet; ich kann die Quellen nicht mehr finden, da schon länger her. Wenn mir jemand behilflich sein kann, bitte um Kontaktaufnahme.

Abb. 12: Alfons Stübel & Max Uhle: Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochlande des alten Perú: eine kulturgeschichtliche Studie auf Grund selbständiger Aufnahmen. Wiskott. Breslau 1892

Abb. 21: http://www.scibuff.com/2009/05/06/aliens-found-on-mars/

Abb. 14 - 20: Archiv DBAGRW

Abb. 13a: Luis Fernando Pacheco Medrano, ebenda, Abbildung 109, eingeblendeter Altas von Tula: http://romsy.com/mexikoOe4.htm

Abb. 24: Axel Klitzke, 2009, eingeblendete Graphik: http://caketowne.deviantart.com/art/Great-Sphinx-in-Giza-132988706

Abb. 25: http://www.endalldisease.com/richard-hoagland-the-mars-cydonia-monuments/

Abb. 27: http://wiki.astro.com/astrowiki/de, bearbeitet von Dieter Groben

Abb. 28: AFP/NASA

 

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