Tiahuanaco- Ein steinernes Rätsel im Hochlande von Bolivien

Teil 12 - "KEINE Sensation in Puma Punku"

 Marco Alhelm


 

„Dort draußen gibt es genügend Wunder, ohne dass wir welche erfinden müssten.“

>>Carl Sagan<<


n dieser Stelle möchte ich eine Sache klären, sie seit mehr als einem Jahrzehnt durch die sogenannte Paläo-Seti- Literatur geistert, insbesondere in den Büchern und Artikeln von Herrn Hartwig Hausdorf. Mit Entsetzen stellte ich fest, daß dieser Unfug immer noch publiziert wird, und zwar jüngst in einer Anthologie der A.A.S¹. [1]
Es handelt sich hierbei um Ergebnisse von Messungen an einem Stein und deren Interpretation in den Ruinen von Puma Puncu im Hochlande Boliviens (Abb. 01).

 
Abb. 01 - Der Ruinenkomplex von Puma Punku Abb. 02 - Der "Nischenstein"


Der besagte Stein (Abb. 02), aufgrund der Ausarbeitungen an seiner Vorderseite häufig Nischengestein genannt, soll angeblich eine phantastische Botschaft enthalten. Und dies könnte man auch experimentell beweisen. Dem ist aber leider nicht so!
Befassen wir uns nun mit Stein. Er besteht aus Andesit und ist allseitig bearbeitet, dies in der für Tiahuanaco und Puma Puncu üblichen präzisen Ausführung.
An der Vorderseite des Steins befinden sich fünf Nischen, wobei die erste, von links zählend, sehr stark beschädigt ist. Allein dieser Umstand führt schon zu Verfälschungen der Messergebnisse. Der Abstand zwischen den Nischen beträgt, jeweils von Zentrum zu Zentrum messend, exakt 30cm. Die Gesamtlänge des Steins beträgt ca. 150cm.
Kommen wir zum Experiment.
Behauptung Hausdorf, Zitat: „Führt man einen Kompaß – von links beginnend – in diese Vertiefungen und geht von einer zur nächsten, so bemerkt man, dass sich der Wert der Kompassabweichung jeweils verdoppelt!“ [1]

In Zahlen[1]:

Nische 1  ► 5°
Nische 2  ► 10°
Nische 3  ► 20°
Nische 4  ► 40°
Nische 5  ► 80°

Das sieht wirklich sensationell aus und wäre in der Tat beeindruckend. Nur leider sind diese Ergebnisse mehr als zurechtgebogen.
Im Jahre 2002 war ich bei einem Experiment von Hartwig Hausdorf selbst anwesend. Ich kann also bezeugen, dass die Kompassnadel NICHT die oben aufgeführten Werte angezeigt hat.
Ich habe sämtliche Werte notiert. Wir haben alle 5cm gemessen. Dies habe ich in eine Excel- Tabelle eingepflegt, welche im Folgenden zu sehen ist:

 


Abb. 03 - Tabelle und Kurve der tatsächlichen Werte


Die tatsächlichen Ergebnisse sind recht unspektakulär. Man kann lediglich einen Anstieg der Werte feststellen. Das muss aber nichts Ungewöhnliches darstellen, handelt es sich doch um ein magmatisches Ergußgestein, nämlich Andesit, und hier sind Anomalien im Inneren nichts Besonderes. Dies liegt wohl an dem enthaltenen Magnetit. [2]

Hier der Kurvenverlauf nach Hausdorf. Ich habe seine „Messergebnisse“ einfach mal aus Jux so eingetragen. Die Zwischenwerte habe ich zur Verdeutlichung weggelassen:




Abb. 04  - Tabelle mit verfälschten Werten


An dieser Stelle eine Gegenüberstellung der Werte von Hausdorf (links) mit den tatsächlichen Werten, festgehalten im Oktober 2002:
 

Nische 1  ► 5°38°
Nische 2  ► 10°35°
Nische 3  ► 20°45°
Nische 4  ►40° 80°
Nische 5  ►80°110°


Soweit die Zahlen. Weitere Kommentare erübrigen sich eigentlich.
Dennoch habe ich den Versuch mittlerweile mindestens zehnmal durchgeführt, und dies auch mit verschiedenen Kompassmodellen und Magnetometern, zuletzt im April dieses Jahres (im Oktober 2007 hat Dieter Groben zusätzlich ein Experiment gefilmt). Es blieb aber stets dabei; eine Verdoppelung der Gradzahlen ist nicht festzustellen. Ich habe den Kompass in nahezu jeden Winkel der einzelnen Nischen gehalten und trotzdem, die Werte von Herrn Hausdorf konnte ich nicht herbeizaubern.
Die folgenden Bilder zeigen ein Experiment aus dem Jahre 2002. Von einer Verdoppelung ist nichts zu sehen.

 
Abb. 05 Abb. 06
 
Abb. 07 Abb. 08
 

Abb. 08 bis 09 - Nische 1 bis 5

HINWEIS:  durch Klicken auf die Abbildung 5 erscheinen die Abbildungen in vergrößerter Darstellung. Fahren Sie mit dem Cursor auf die rechte Bildseite, wird oben rechts ein "NEXT"- Button eingeblendet, mit dem Sie nach vorne blättern können, steuern Sie den Cursor auf die linke Bildseite, blättern Sie mit dem oben links erscheinenden "PREV"- Button wieder zurück. Stören Sie sich bitte nicht, daß die Abb. 05 am Ende wieder gezeigt wird (Bild Nr. 6). Wir üben noch! Uber "X CLOSE" unten rechts wieder zurück.

Abb. 09  


Warum Hartwig Hausdorf nach wie vor diese verfälschten Ergebnisse aufführt, ist mir ein Rätsel. Es gibt genügend Rätsel in den Ruinenkomplexen von Puma Puncu und Tiahuanaco, die es noch zu lösen gilt. Nichtexistente Sensationen zu erfinden und falsche Daten zu veröffentlichen bringt uns hier keinen Schritt weiter.


© Juni 2008 Marco Alhelm

 

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Anmerkungen:

¹ Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI


Literaturnachweis:

[1] Hartwig Hausdorf "Neue Rätsel im Hochland der Anden";. Beitrag in: "Brisante
Archäologie
", Herausgegeben von Erich von Däniken,
Rottenburg 2008.

[2] Peter Rothe Gesteine. Entstehung-Zerstörung-Umbildung. Darmstadt, 2 Aufl. 2005


Bildnachweis:

Kopfgraphik Archiv Marco Alhelm, Das andine Kreuz(chacana)

Abb. 01 Marco Alhelm, September 2005

Abb. 02 Marco Alhelm, Oktober 2007

Abb. 03 und 04 erstellt mit Excel. Marco Alhelm, September 2002

Abb. 05-09 Marco Alhelm, Oktober 2002

 

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